Willkommen in der Evangelischen Kirchengemeinde Lichterfelde

AN(GE)DACHT...

Bild Gemeindebrief Andacht Karfreitag

Liebe Leserin, lieber Leser, liebe Freunde unserer Kirchengemeinden,
dieser Gemeindebrief ist ein Sonderausgabe. Nur Weniges ist derzeit noch so, wie wir es kennen. Dem muss leider auch dieser Gemeindebrief folgen. Sie und Ihr werdet keine Termine darin finden – weil es derzeit keine sinnvolle Terminplanung geben kann.

Aber es gibt Hinweise und zwei „Andachten zum Mitfeiern“ – zu Karfreitag und Ostersonntag.

Zu den Hinweisen:

1. Es gibt derzeit aufgrund der Pandemie bei uns keine Gottesdienste, keine Gemeindeveranstaltungen und damit kein geregeltes Gemeindeleben – auch die Konfi-Fahrt fällt aus. Selbst Karfreitag und Ostersonntag werden davon betroffen sein. Mit Redaktionsschluss ist leider noch unklar, was mit Himmelfahrt und der Konfirmation sein wird. Bitte, liebe Leute, nutzt ausgiebig die Schaukästen oder die Informationen auf unserer Homepage oder generell das Internet, um auf dem Laufenden zu bleiben!

2. Zur Zeit sind alle, soweit ich höre, wohlauf – gebe Gott – dass es so bleibe. Wenn irgendwer Hilfe benötigt, dann wende sie oder er sich bitte vertrauensvoll ans Pfarramt 03335/684 – hier wird Ihnen geholfen!

3. Wir werden ab Palmsonntag, den 05. April täglich um 12 Uhr die Glocken für fünf Minuten läuten. Nehmt dies gerne zum Anlass, inne zu halten, Fürbitte zu halten, schlicht ein Vater Unser zu beten oder dem Bischof im Gebet beizuwohnen: https://www.ekbo.de/start/themen/mittagsgebet-mit-dem-bischof.html
oder schaltet „Radio Paradiso“ein.

4. Karfreitag und Ostersonntag werden dieses Jahr „Gottesdienste mit Abstand“ sein. Nehmt Euch bewusst diese Zeit, zündet auf dem Küchentisch eine Kerze an, nehmt ein Gesangbuch und eine Internetverbindung hinzu, stellt ein Kreuz auf und folgt dann den nachfolgenden Andachten – z.B. Eine liest, ein Anderer macht die Technik. Seid kreativ, spontan und fehlerfreundlich! So werden wir an diesen Tagen verbunden sein, ohne uns begegnen zu können:
 
Karfreitag

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.

Heute, am Karfreitag gedenken wir gemeinsam des Leidens und Sterbens unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus. Er hat den Tod am Kreuz erlitten, damit wir Vergebung unserer Schuld erlangen und Frieden haben mit Gott. Christus ist unsere Hoffnung. So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Und so feiern wir diesen Gottesdienst – im nebeneinander unserer Häuser, Wohnstuben und Küchen – im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des Heiligen Geistes.

Liebe Gemeinde,

Corona wirft uns auf uns selbst zurück. Wir treffen einander nicht mehr. Wir sind gezwungen, unser alltägliches Leben einzuschränken. Es gibt wohl niemanden unter uns, der oder die Ähnliches schon einmal erlebt hat. In dieser dunklen Zeit – die seltsam irritierend mit gleißender Frühlingssonne einhergeht – können wir einander nur betend und mit Abstand nahekommen und einander beistehen.

Auch der heutige Karfreitag wirft uns auf uns selbst zurück. Wir begleiten mit unseren Gedanken, Gebeten und Gefühlen Jesus aus Nazareth auf seinem letzten schweren Gang. Ein Gang, der in die Finsterste aller Dunkelheiten führt, in seinen Tod am Kreuz. Er, der wie kein anderer den Menschen zur Seite stand, wird von Menschenhand festgesetzt, erniedrigt, misshandelt, hingerichtet. Lothar Zenetti, der Dichterpfarrer, hat mit Blick auf Jesus gedichtet:

Ein Mensch wie Brot

Er lehrte uns die Bedeutung und Würde
des einfachen unansehnlichen Lebens
unten am Boden
unter den armen Leuten
säte er ein
seine unbezwingbare Hoffnung

Er kam nicht zu richten sondern aufzurichten
woran ein Mensch nur immer leiden mag
er kam ihn zu heilen

Wo er war
begannen Menschen freier zu atmen
Blinden gingen die Augen auf
Gedemütigte wagten es zum Himmel aufzuschauen
und Gott
ihren Vater zu
nennen
sie wurden wieder Kinder
neugeboren
er rief sie alle ins Leben

Er stand dafür ein
dass keiner umsonst gelebt
keiner vergebens gerufen hat
dass keiner verschwindet namenlos
im Nirgends und Nie
dass der Letzte noch
heimkehren kann als Sohn

Er wurde
eine gute Nachricht
im ganzen Land ein Gebet
ein Weg den man gehen
ein Licht das man in Händen halten kann
gegen das Dunkel

Ein Mensch wie Brot
das wie Hoffnung schmeckt
bitter und süß

Ein Wort das sich verschenkt
das sich dahingibt
wehrlos in den
tausendstimmigen Tod
an dem wir alle sterben

Ein Wort
dem kein Tod gewachsen ist
das aufersteht und ins Leben ruft
unwiderstehlich
wahrhaftig dieser war Gottes Sohn

Aus: Lothar Zenetti, Auf Seiner Spur. Texte gläubiger Zuversicht, Mainz: Matthias-Grünewald-Verlag 2000, Topos plus Taschenbücher 327

Paulus schreibt in unserem heutigen Predigtwort: „Gott war in Christus und hat die Welt mit sich versöhnt, indem er ihnen ihre Übertretungen nicht anrechnete und in uns das Wort von der Versöhnung niedergelegt hat.“ (2. Kor 5,19, Menge-Übersetzung). Gott versöhnte die Welt mit sich selber. Und er legte in uns das Wort von der Versöhnung. Gott hat seinen Frieden mit der Welt gemacht. Seinen Frieden mit dieser oftmals so grausamen und ungerechten Welt, in der auch Corona vorkommt. Unglaublich – in einer Welt, auf der bis heute himmelschreiendes Unrecht passiert, nicht selten von Menschen zu verantworten. Unglaublich – in einer Welt, die als „gefallene Schöpfung“ nicht so ist und sein kann, wie sie nach dem Willen Gottes sein sollte.  

Ich wünschte, in diesen Zeiten würde uns nur ein kleiner Teil von dieser in uns gelegten Versöhnung Gottes begegnen. Vielleicht so: als Gedanke oder Gebet, als Anruf oder wahrgenommener Hilferuf, als spontane Idee oder konkrete Mithilfe. Vielleicht trägt Corona, neben aller Zerstörung und Gefahr, auch positives Potential in sich: zur Besinnung, zum Runterkommen, zur inneren Einkehr, zur Neuausrichtung.

Zenetti legt uns die Spur zu Christus, dem „Wort, dem kein Tod gewachsen ist, das aufersteht und ins Leben ruft; unwiderstehlich; wahrhaftig dieser war Gottes Sohn“. Amen

 

Fürbitten mit Lied:  Wir danken dir Herr Jesus Christ, Evangelisches Gesangbuch, Nummer 79... Singt es mit (mit Stopp nach dem jeweils gesungenen Vers):

https://www.youtube.com/watch?v=3YQ1-qkQius

1. Wir danken dir, Herr Jesu Christ,
dass du für uns gestorben bist
und hast uns durch dein teures Blut
gemacht vor Gott gerecht und gut,

            Unter deinem Kreuz,
            mit dem Du unsere Schuld trugst, damit wir frei sind,
            sehen wir: dein Ende, Jesus, ist ungerecht. Aber wir hören dich     sagen: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“
            Du beendest das Aufrechnen. Du vergibst uns und schenkst uns     einen Neuanfang. Wir singen...

2. und bitten dich, wahr' Mensch und Gott,
durch dein heilig fünf Wunden rot:
erlös uns von dem ewgen Tod
und tröst uns in der letzten Not.

            Dein Ende, Jesus, ist hoffnungslos. Doch wir hören dich am          Ende sagen: „Heute wirst du mit mir im Paradiese sein.“
            Du stiftest eine Hoffnung über den Tod hinaus. Es gibt keine         hoffnungslosen Fälle mehr.

3. Behüt uns auch vor Sünd und Schand
und reich uns dein allmächtig Hand,
dass wir im Kreuz geduldig sein,
uns trösten deiner schweren Pein.

            Dein Ende, Jesus, ist tiefe Verlassenheit. Wir hören dich am           Ende sagen: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich   verlassen?“ Aber das Leben hat den Tod verschlungen im Sieg.     Wir bitten für alle Mutlosen und Zweifelnden: Lass sie neue Kraft in dir finden.

4. und schöpfen draus die Zuversicht,
dass du uns wirst verlassen nicht,
sondern ganz treulich bei uns stehn,
dass wir durchs Kreuz ins Leben gehn.

            Dein Ende, Jesus, ist nicht die Leere. Denn am Ende hören wir dich          sagen: „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist.“
            Dein Leben strömt wie lebendiges Wasser in dürrem Land.
            In dir ist das Ende aufgehoben.
            Du selbst, Gott, verströmst dich im Tod.
            Unter dem Kreuz deines Sohnes,
            der unsere Schuld trug, damit wir frei sind,
            danken wir dir, barmherziger Gott:
            für das Opfer seines Lebens, das er für uns gebracht hat,
            damit die Welt durch seine Liebe heil würde.
            Vater Unser...
Amen.

Und es segne und behüte Dich, der dreieinige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Ostersonntag

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.

Halleluja. Der Tod ist nicht länger das Letzte. Dieser neue Morgen hat ein neues Leben an den Tag gebracht. Aus dem Ende des Einen, wurde der neue Anfang für uns alle. Wir sollen leben, sind zum Leben bestimmt. Christi Grab ist offen. Das Licht scheint schon. Hell soll es werden in unserer Welt. Der Weg ist uns gewiesen. Wir können uns aufmachen, zu sehen und zu staunen, zu hören und zu antworten, dem zu singen, der uns das neue, wunderbare, ewige Leben schenkt. Wir feiern Ostergottesdienst – im nebeneinander unserer Häuser, Wohnstuben und Küchen – im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des Heiligen Geistes.
Liebe Gemeinde,

19 Wenn wir weiter nichts sind als solche, die in diesem Leben ihre Hoffnung auf Christus gesetzt haben, so sind wir die beklagenswertesten unter allen Menschen.
20 Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden und zwar als Erstling der Entschlafenen. 21 Denn weil der Tod durch einen Menschen gekommen ist, erfolgt auch die Auferstehung der Toten durch einen Menschen. 22 Wie nämlich in Adam alle sterben, so werden auch in Christus alle wieder zum Leben gebracht werden,
23 ein jeder aber in seiner besonderen Abteilung: als Erstling Christus, hierauf die, welche Christus angehören, bei seiner Ankunft, 24 danach das Ende, wenn er Gott und dem Vater das Reich übergibt, sobald er jede andere Herrschaft und jede Gewalt und Macht vernichtet hat; 25 denn er muss als König herrschen, »bis er ihm alle Feinde unter die Füße gelegt hat« (Ps 110,1). 26 Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod; 27 denn »alles hat er ihm unter die Füße gelegt« (Ps 8,7). Wenn er dann aber aussprechen wird: »Alles ist unterworfen!«, so ist doch selbstverständlich der ausgenommen, der ihm alles unterworfen hat. 28 Sobald ihm aber alles unterworfen ist, dann wird auch der Sohn selbst sich dem unterwerfen, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott alsdann alles sei in allen. (1. Kor 15, 19-28)

Durch Christus werden alle wieder zum Leben gebracht und Gott ist alles in allen. – Ganz verkürzt wäre das schon die Osterbotschaft, liebe Gemeinde, Punkt. Aus. Amen.

So einfach kann es doch nicht sein... Vielleicht aber doch?

Ich will nur einen kurzen Impuls in die Runde geben: Selbst mit diesem Osterfest 2020 werden die Sorgen und Nöte bezüglich der Corona-Pandemie nicht einfach weggewischt sein. Nein, es wird uns weiter beschäftigen und umtreiben. Aber eines Tages wird sie kommen – die Entwarnung. Mit einer Übergangszeit wird dann wohl unser „normales“ Leben zurückkehren. Auch wenn das sicher einige Zeit brauchen wird. Ich hoffe, diese Rückkehr wird mit Fragezeichen verbunden sein: Was lehrt uns diese Erfahrung? Wollen und können wir – einfach so – zum Tagesgeschäft übergehen? Oder ist da unter Umständen ein neues Verständnis gewachsen – über uns und unsere Art die Dinge anzugehen?

Und dann – ganz ohne Gedankenschwere: Wenn Corona dereinst „Geschichte“ sein wird – und das wird es irgendwann – gehen Sie ganz bewusst hinaus! Treffen Sie Menschen, die Ihnen lieb sind! Und: umarmen Sie einander – das ist Ostern! Zumindest ein guter Vorgeschmack. So wird es sein, so kann es jetzt schon sein. Weil wir zum Leben (zurück) gebracht worden sind und weil Gott alles in allen ist. Halleluja, Amen.

Fürbitten mit Lied: Die ganze Welt, Evangelisches Gesangbuch, Nummer 110... Singt es einfach mit (mit Stopp nach dem jeweils gesungenen Vers):

https://www.youtube.com/watch?v=LddiUqYga24

Ewiger, unser Gott. Voll Freude danken wir dir an diesem Fest. Du hast einen neuen Anfang für uns Menschen gesetzt. Du lässt dich nicht aus dieser Welt durch das Böse hinausdrängen. Du hast in deinem Sohn das unüberhörbare Ja zum Leben gesprochen. Du bist es, der Furcht und Verzweiflung und Hass und Tod überwindet. Wir singen:

            1. Die ganze Welt, Herr Jesu Christ,/ Halleluja, Halleluja,/ in deiner          Urständ fröhlich ist./ Halleluja, Halleluja.

Dir bringen wir unsere offenen Fragen - unsere ungelösten Probleme - unsere verwirrten Beziehungen - das Dunkel unserer Angst: Gib uns Licht und Ausdauer, Gelassenheit und unbeirrbare Hoffnung. Wir singen:

            2. Das himmlisch Heer im Himmel singt,/ Halleluja, Halleluja,/ die         Christenheit auf Erden klingt./ Halleluja, Halleluja.

Dir bringen wir unsere Nächsten, unsere Angehörigen und Freunde - aber auch unsere Feinde - alle auch, die uns Unrecht getan haben - und jene, bei denen wir uns schwertun: Hilf uns zur Liebe, wie dein Sohn geliebt hat, ohne Vorbehalt und ohne Ende. Wir singen:

            3. Jetzt grünet, was nur grünen kann,/ Halleluja, Halleluja,/ die Bäum zu blühen fangen an./ Halleluja, Halleluja.

Dir bringen wir das Leid der Menschen - das Seufzen der Überforderten - die Tränen der Enttäuschten - die Schmerzen der Kranken - die Trauer der Zurückgebliebenen - das Rufen der Unterdrückten - den Hunger der Armen - das Schweigen der Verzweifelten: Zeige uns Wege, Not zu mildern und gib deinen Trost. Wir singen:

            4. Es singen jetzt die Vögel all,/ Halleluja, Halleluja,/ jetzt singt    und klingt die Nachtigall./ Halleluja, Halleluja

Dir bringen wir unsere Versuche zu glauben - gemeinsam mit allen, die dich suchen und nach dir fragen - auch mit allen, die dich nicht kennen, noch nicht oder nicht mehr: Gib uns Gewissheit. Lass uns einst schauen, worauf wir jetzt vertrauen. Wir singen:

5. Der Sonnenschein jetzt kommt herein,/ Halleluja, Halleluja,
            und gibt der Welt ein’ neuen Schein./ Halleluja, Halleluja.

Vater unser

            6. Die ganze Welt, Herr Jesu Christ,/ Halleluja, Halleluja,/ in         deiner Urständ fröhlich ist./ Halleluja, Halleluja.

Und es segne und behüte Dich im österlichen Licht, der dreieinige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.


 

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